einatmen, ausatmen
Die Bielefeld-Düsseldorf-Köln-Connection. Ein Blogvorhaben von Tanja, Anke und Felix.

Working Mom
19. September 2017, 09:16 Uhr von Tani

Kennst du das? Du liegst abends im Bett, lässt nochmal den Tag an dir vorbeiziehen und stellst fest, dass du zwar den ganzen Tag in Bewegung warst, aber gefühlt nix erledigt hast.

Bei mir war es heute Nacht um 2 und erledigt hatte ich auch etwas, denn ich saß bis nachts vorm Laptop und hab Namen hin und her geschubst. Das bringt die Freiberuflichkeit manchmal so mit sich.

Und heute? Natürlich klingelt der Wecker unbarmherzig um kurz nach 7 – ja, ich weiß, es ist Luxus -, denn der Zweikäsehoch möchte in den Kindergarten. Naja, oder muss. Das ist tagesformabhängig. Heute “muss” er eher und zwar bis 9, da endet die offizielle Bringzeit. Wir kommen also meist um kurz vor 9 oder im Punktlandungssturzflug.

Wenn man auf den letzten Drücker plant und nicht mit einem Nervenzusammenbruch in den Tag starten möchte, muss man kreativ sein. Das Einkaufsprospekt links von mir wirbt mit “Spielend die Welt entdecken” und die Teelichttüte auf meiner Fensterbank fügt “Man muss das Leben tanzen” hinzu. In diesem Sinne versuche auch ich allmorgendlich das Kind mit Freude in die KiTa zu entlassen. Turbokuscheln, Kinderlieder trällern und Quatschmachen geht Hand in Hand mit Zähneputzen und Anziehen. Manchmal. Heute. Nicht immer. … Manchmal geht gar nix!

Und dann? Dann ist das Kind in der KiTA, wie gut, dass es dort frühstückt! Und ich? Ich fahre los. Merke erst nach einem Kilometer, dass ich immer noch Kinderlieder im Auto höre.. und sogar mitsinge..

Heute bin ich im Homeoffice. Hundemüde, aber aufgedreht, mit einer prallen To-Do-Liste vor mir. Schnell noch die Wäsche zusammenlegen, vorher ein paar Besorgungen gemacht, ein schnelles Frühstück und die Küche grob übergeputzt. Dann Mails beantworten, einen Screencast transkribieren, wieder Namen in Dokumenten umherschieben, Mails schreiben, Termine koordinieren, Babysitter für ein anstehendes Business-Event organisieren. Die nächste warme Mahlzeit planen. Gut, dass das Kind in der KiTa isst. Noch schnell ne Maschine Wäsche anschmeißen. Den Müllplan fürs Haus erneuern. Geschenkplanung für ein neues Baby im Freundeskreis angehen und eine Hochzeitseinladung im Briefkasten finden. Saugen? Ach nee. Vielleicht morgen… Weitere Mails und ein paar Telefonate. Gleich kommt jemand und bringt Equipment zurück. Ein wenig Projektplanung hier, ein bisschen Konzepterstellung dort. Mal ganz mutig das Drehbuchprogramm öffnen und selber darüber schmunzeln. Ohh, fast eine wichtige Mail übersehen, hui das war knapp. Wann war nochmal die Steuer fällig? Ach schon wieder Nachrichten verpasst. Ob in der Welt grad was los ist? Vielleicht sollte ich heute schonmal wählen gehen, dann hab ich das weg. Hab ich heut schon Wasser getrunken? Oh verflixt, die Müllabfuhr.. Wartet, ich hab da noch nen Sack! Das Kind hat kaum noch Windeln, da muss ich nachher nochmal los. Vielleicht verabrede ich uns heut Nachmittag im Kindercafé, da gibt’s WLAN. Pause. Augen schließen. Einatmen. Ausatmen. Augen auf. Die Blumen sehen traurig aus. Die brauchen Wasser. Ich auch. Jetzt.

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36
26. August 2017, 15:14 Uhr von Tani

Alter hat für mich noch nie eine besondere Rolle gespielt. Na gut, mit 16 wollte ich 18 sein, aber auch nur, weil man dann Autofahren und in jede Disco reingehen darf. Aber sonst? Nein.

Ich bin ein Nesthäkchen. Meine Schwester und mein Bruder waren bereits fast aus dem Haus, als mein Baby-Ich einzog. Doch während die beiden seltsame Blicke ernteten, während sie im Jugendlichenalter einen Säugling durch die Straßen schoben, war es für mich von Anfang an vollkommen normal, dass das biologische Alter kein ausschlaggebendes Kriterium für Gruppenzugehörigkeiten oder sonstige Kategorisierungen darstellt. Meine Mutter hätte meine Oma, meine Schwester meine Mutter sein können. Mein Bruder ist de facto mein Patenonkel und mein ältester Neffe wiederum… naja ok, da wäre ich dann eine äußerst junge Mutter gewesen, die es vermutlich auf Seite Vier der Bild-Zeitung geschafft hätte.

Jetzt bin ich jedenfalls 36 und weder mit 6, 16 oder 26 habe ich mir vorstellen können, wie das dann wohl so sein wird. Etwas ganz individuell Subjektives ist es, so viel ist klar.

Meine 36 fühlen sich gut an und kommen mir grad recht.
Denken, Fühlen und Körper im Wandel der Zeit. Die Zeit, die immer schneller zu vergehen scheint. Es ist erstaunlich und man muss wirklich aufpassen, dass einem das keine Angst einjagt. Kennst du das? Du planst eine Reise. Erst kommt die Vorfreude und die Aufregung und die Zeit scheint gar nicht kommen zu wollen und dann, dann geht es endlich los. Und die ersten Tage sind noch etwas kribbelig. Alles ist neu und man fühlt sich noch nicht so ganz angekommen, doch dann findet man seinen Platz und kann entspannen und genießen. Doch dann ist die Hälfte der Zeit plötzlich um und von da an rasen die letzten Tage in Windeseile an einem vorbei und man findet sich wieder zu Hause. Mit einer Kamera und einem Kopf voll mit Erinnerungen. Fragmente, die man sich immer wieder zurück ins Gedächtnis holt, von denen man zehrt und auf die man ein wenig wehmütig zurückblickt.

Gefühlt bin ich irgendwo zwischen Platz finden, einsortieren und Halbzeit. Weißt du noch, wie lange als Kind eine Autofahrt in den Urlaub gedauert hat? Die gleiche Distanz ist heute ein Augenzwinkern. Zeit ist etwas Grandioses. Etwas absurd und in jedem Fall absolut relativ.

Meine 36 fühlen sich gut an und geben mir neue Ziele vor.
Fit sein. Gesund leben. Positiv denken. Fit sein. Gesund leben. Positiv denken. Fit sein. Gesund leben. Positiv denken. Fit sein. Gesund leben. Positiv denken.
Und sehen, dass diese Eigenschaften nicht vom Himmel fallen sondern erarbeitet werden müssen. Und erkennen, dass man einen langen Atem braucht. Und auch bemerken, dass sich Durchhaltevermögen und Konstanz lohnen.

Meine 36 fühlen sich gut an und manchmal auch wie 19.
Und ganz selten mal feiern gehen, mal über die Stränge schlagen, mal tanzen, die ganze Nacht, bis die Füße dampfen. Und feiern und singen und torkeln und am nächsten Morgen vom Kopfbrummen geweckt werden, oder vom Zweijährigen, je nachdem, wer oder was schneller ist. Und es verfluchen, aber es gleichzeitig lieben.

Eigenverantwortung. Fremdverantwortung. Liebe. Sinn. Wünsche. Pläne. Wege. Ziele. Leben.
36.

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In eigener Sache ...
2. Mai 2012, 09:31 Uhr von Tani

… ein Schmankerl für unsere große Leserschaft:

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Heute mal Pause!
1. Mai 2012, 18:22 Uhr von Tani

oder: Die Anstrengungen des positiven Denkens

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Reanimation erforderlich
1. Mai 2012, 18:13 Uhr von Tani


Blog-Reanimation auf 3!

1 ….. 2 ………. ………. 2 1/2 …………………… 3

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Zeitumstellung
27. März 2011, 07:43 Uhr von Aenki

Ich kann mich daran erinnern, dass es für mich früher immer sehr aufregend war, wenn die Sommer- oder Winterzeit umgestellt wurde. Wenn ich im Bett lag, stellte mein Vater die Uhren um – und ich hatte dabei die Vorstellung, dass er sich dafür extra den Wecker stellte um pünktlich um 02:00 Uhr im Haus alles einrichten zu können.

Heute Nacht wurde die Zeit mal wieder umgestellt – und ich habe es nicht mal mitbekommen. Da sich fast alle Geräte, mit denen ich arbeite, automatisch mit dem Netz synchronisieren, bin ich aufgewacht und es war halt 09:00 Uhr.

Beim Kaffekochen ist mir dann aufgefallen, dass die Küchenuhr heute Nacht stehen geblieben sein muss…

Manchmal trauere ich solchen alten Handlungen hinterher, denn ich denke heute noch gern daran zurück, wie aufgeregt ich mit 6 Jahren war.

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Mini Wini
24. März 2011, 12:59 Uhr von Aenki

Mini-Wini-Würstchenkette
lieben Karl und die Annette!
Mini-Wini ist doch klar,
ist der Kinderpartystar!

Sonntag abend kommt Besuch,
es klingt wie ein böser Fluch!
Wieder – nichts im Haus – Oh mein Gott, ich raste aus!
Die Annette und der Karl;
Selbst das Bier, das ist schon schal!
Sie ha’m etwas mitgebracht,
auf dass die Party kracht

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15. Oktober 2010, 19:45 Uhr von Tani

Vor mir liegt eine Welt so weit
Ganz nah kann ich sie spüren
Sie fragt nach mir, sie ruft, sie schreit
Will weg von hier mich führen

Ich schaudre, bebe, bin gefangen
Gedanklich starr und leise
Die Weite wird mir zum Verlangen
Begebe mich auf Reise

Die Fremde bricht mir fast das Herz
Entreißt mich stumpf den Meinen
Ertrag ich grad den bitt’ren Schmerz
Beim Kappen dieser Leinen

Doch spür ich Liebe tief im Herzen
Die mich geleitet, wo ich geh
Schürt meine Kraft, vertreibt die Schmerzen
Hilft, dass ich neue Hoffnung seh

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